Bastard Operator from Hell (Teil#5)

Die dauernde Langeweile bringt mich um.

Also lese ich User email, um die Zeit tot zu schlagen. Allerdings muss ich zugeben, dass die heutige Lieferung auch nur zum Gaehnen anregt. Nicht eine wirklich gute Nachricht darunter.

Nicht mal versteckte Andeutungen ueber Fummeln im Supermarkt, wie sonst. Gar nichts.

Statt dessen muss ich mir den ueblichen Sch... zu Gemuete fuehren: Welcher Verwandte wann welche Art von Operation ueber sich ergehen lassen muss, und welche es nicht ueberlebt haben, wie das Wetter auf der anderen Seite des Erdballs ist - die Sorte von Redundanzmails, die nur unsere Queues vollknallen!

Um die Sache etwas aufzulockern, hole ich eine persoehnliche Party-Einladung aus einer Mailbox, poste sie unter dem Namen des Senders in alt.singles.with.severe.social.dysfunctions im USENET und mache eine Notiz in meinem Kalender, damit ich rechtzeitig dort bin - mit meiner Videocamera. Koennte was werden!

Was steht als naechstes an? Ah ja, die medizinische Datenbank, in der die Vertrauensaerzte der Uni die Krankheitsgeschichten der Angestellten speichern. Ich grepe schnell mal durch nach 'Herpes' und 'Syphilis' und verkaufe die Ergebnisse an die lokale Boulevardpresse.

Um meine Spuren zu verwischen, gehe ich in den Account des Oberarztes und fuege dort folgenden Eintrag in sein online Tagebuch ein: "DM 500, Med. Daten an Zeitung" Sollte ausreichen!

Ich schichte ein paar Baender aus den Regalen auf den Laborwagen und zurueck, damit es so aussieht, als ob wir sie tatsaechlich verwenden.

Dann gehe ich in Archie und suche nach einem bestimmten, verborgenen X-GIF Server, von dem ich gehoert habe. Als ich ihn finde, starte ich einen Batch unter einem User-Account um die Bildchen 'runter zu laden - natuerlich auf seine Kosten.

Gerade noch rechtzeitig faellt mir ein, ob auch genug Speicherplatz fuer die Bilder frei ist. Um ganz sicher zu gehen, entferne ich alle Dateien auf der Platte, die nicht direkt mit dem Batch zu tun haben.
Zum Beispiel die ganzen LaTeX Dokumente "diss*.*"; die sind in letzter Zeit sowieso schon wieder viel zu gross geworden.

Zurueck in User email schaue ich, ob sich inzwischen was getan hat. Naaah. Schliesslich grepe ich alle files nach 'schwanger', 'Scheidung' und 'Therapie' und poste sie anonym in eine lokale Klatsch- Newsgroup.

Dann, bevor ich auch nur piep sagen kann, ist der Strom weg!

In der naechsten Sekunde laeutet schon das Telefon.

"Hallo?" sage ich, wuetend - der Coyote hat den Roadrunner gerade fast am Wickel gehabt!

"Was ist mit dem Comp..."

Ich haenge auf. Jetzt geht's um Leben oder Tod. So schnell ich kann, reisse ich das Stromkabel des Mainframes aus der Notstromversorgung und schliesse fieberhaft mein TV daran an. Verdammt! Der Roadrunner war wieder schneller!

Inzwischen fangen ueberall die Warner an zu jaulen, weil die Hauptplattenspeicher 'runterfahren. Aber was soll's? Mein Mac und mein Terminal sind sowieso fest mit der Notstromversorgung verbunden, und ich bin im Beer Factory Level in Dark Castle.

Das Telefon klingelt schon wieder. Also lasse ich die Kommunikationssicherung am Notstromschaltkreis herausschnappen und endlich ist Ruhe. Um ganz sicher zu gehen, hole ich den Hockeyschlaeger aus dem Spind und uebe ein bisschen Einer-gegen-die-Wand.
Durch das Glasfenster schaut das aus, als ob ich wie ein Wahnsinniger nach dem Fehler suche - wie ueblich. 10 Minuten spaeter ist der Strom wieder da und die Diagnose meldet zwei Hard Disk Crashs auf dem Main Level, zum Teufel damit!

Ich habe keinen Mann verloren, bin kurz vorn letzten Level und im TV kommen noch mehr Cartoons! Das andere Telefon laeutet, ein User (welch Ueberraschung!).

"Kontrollraum", sage ich, so richtig im Stress.

"Wann wird der Computer..."

Ich lege auf. Im Moment komme ich ganz gut voran. Nur noch ein Wizard, der unablaessig Bannflueche schleudert, steht zwischen mir und dem letzten Bild. Gleich bin ich drin! Das Telefon laeutet schon wieder! Mit einem raschen Hieb schalte auf Freisprechen.

"Kontrollraum", bruelle ich, voll involviert.

"Ich hab' meine Files geloescht. Meine Daten sind weg", winselt ein User ueber den Lautsprecher.

"Aber sicher doch", sage ich, weil ich mich nicht erinnern kann. Diese Bemerkung genuegt, um mich den Bruchteil einer Sekunde abzulenken. Der Wizard nagelt mich in den Boden und schmeisst mir noch einen Feuerball hinterher. GAME OVER.

"Wie war Ihr Username?" sage ich mit Honig gesalbter Stimme.

Er sagt es mir. Ich schaue nach - und er hat recht. Sch...., dabei war ich es nicht mal! Um meinen guten Ruf zu wahren, wechsele ich sein Login Directory nach /dev/null, setzte seinen Pfad auf '.' und setzte einen alias auf sein 'news' Kommando, welches ein scheussliches kleines Skript in seinem frueheren Home Directory startet. Das Skript schickt eine nicht mehr ganz politisch korrekte email an die Beauftragte fuer Gleichberechtigungsfragen der Uni und loescht sich anschliessend selbst. Wohl bekomm's!
 
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