Bastard Operator from Hell (Teil#10)

Ich soll als Experte in einer Vorlesung "Grundlagen Systemverwaltung" auftreten; so steht es in der Einladung.

Also ueberlasse ich den Kontrollraum den bewaehrten Haenden von Sam, dem Hausmeister, und gehe hinueber.

Die Vorlesung laeuft wie am Schnuerchen. Gegen Ende verkuendet der Dozent, dass die Studenten "nunmehr 10 Minuten Gelegenheit haben, einem Mann der Praxis, einem richtigen Operator" Fragen zu stellen.

Ich hole meinen Pad und Stift heraus und sage:

"Bevor wir anfangen, folgender Vorschlag: Koennten Sie bitte Ihren Usernamen nennen, bevor Sie eine Frage stellen. Auf diese Weise kann ich Ihnen gewisse Probleme an konkreten Beispielen erlaeutern. Das ist einfacher zu verstehen."

Der Dozent schluckt es - mit Senf und Katchup. Beispiele sind per default gut. Sag niemals was gegen Beispiele an einer Uni!

"Ok, erste Frage. Sie da drueben..."

"Wie beurteilen Sie den Schutz von persoenlichen Daten auf einem Mehrbenutzersystem?"

"Wie war Ihr Username?"

"dau12345."

>kritzelkratzel<

"Schutz von persoenlichen Daten ... Hmmm. Ein heisses Thema, wirklich. Sie denken zum Beispiel, wenn jemand Ihre private mail liest, worin Sie sich mit Ihrem Therapeuten unterhalten? Zum Beispiel, warum Sie sich vor Ihrer Frau immer im Schrank verstecken?"

"AAAAAAAAAAAAARRRRRRRRRRGGGGGGGHHHHHH!!!!!"

"Oh. Das kam wohl nicht so gut an. Oder er musste dringend weg. War vielleicht kein so gutes Beispiel. Naechste Frage, bitte. Ja, Sie da hinten..."

"dau12346. Ich wuerde gerne ..."

"Ah. dau12346, der einzige User an der ganzen Uni, der inalt.sex.buggery.by.sailors.in.mums.clothing aboniert ."

"Nur fuer rein wissenschaftliche Zwecke!"

"Natuerlich! Fuer einen Wissenschaftler haben Sie eine betraechtliche Posting-Statistik dort, finden Sie nicht?"

"NNNNNGGGGGGAAAAAAAAGGGGGGGHHHHHH!!!!"

"Der naechste bitte..." .. .

Zwei Minuten spaeter sind wir allein im Hoersaal. Das ist eben das Problem mit den heutigen jungen Leuten: Die wollen nichts mehr lernen...

Ich gehe zurueck zu meinem Kontrollraum und Sam ist schon wieder auf der Konsole eingeschlafen. Ich glaube jetzt, er ist DOCH hinter meinem Job her. So ein Einsatz...

Ich nehme mir vor, bei Gelegenheit ein paar notwendige Aenderungen in der Gehaltsdatenbank vorzunehmen.

Man kann nie vorsichtig genug sein...

Kranken- und Unfallversicherung braucht Sam eigentlich nicht.

Ich lege den Hoerer auf die Gabel - das erste Mal heute nachmittag - und sofort faengt das Ding an zu rattern. ES REICHT!

Um mein Mittagsschlaefchen zu retten, leite ich den Anschluss auf 110 um. Das wird ihnen eine Lehre sein!

Ups, fast vergessen, den Ausredenkalender umzublaettern.

"Statische Aufladung wegen Nylon Unterwaesche"

Naaah, viel zu plausibel - obwohl, ich koennte die Unterwaesche von Fall zu Fall persoenlich ueberpruefen... nee, lieber nicht, weiss was dabei ans Tageslicht kommt.

Ich blaettere eins weiter.

"Statische Aufladung durch Plastik-Rechenschieber"

Na, das ist doch mal was! Eine echte Herausforderung! Ich hebe die Telefonumleitung auf und plaziere dann den Papierkorb unter dem Druckerauswurf - endlich eine technisch fortgeschrittene Loesung!

Waehrend ich noch mein Werk bewundere, laeutet es. Das koennte der grosse Wurf werden!

"Hallo?"

"Hallo, aehm, wie kann ich mein File auf Rechtschreibfehler pruefen?"

"Ganz einfach. Tippen Sie 'spell' und den Filenamen."

"Danke."

Ich bin wieder mal hoellisch hilfsbereit heute morgen. Vor allem weil ich weiss, dass meine spezielle Version von 'spell' Fehler erzeugt, statt sie zu beseitigen. Aus 'Freund' wird 'Fruend' und umgekehrt. Ein Augenschmaus! Das Telefon klingelt - sie sind's wieder.

"Irgendetwas stimmt nicht mit dem 'spell' Programm."

"Wie kommen Sie denn da drauf?"

"Weil mein File ploetzlich voll mit Fehlern ist!"

"Hm, das klingt nicht gerade nach 'spell'. Sind Sie ueber Ihren PCeingeloggt?"

"Ja, aber ich ..."

"Bitte, ueberlassen Sie die technische Diagnose mir! Also, ist da irgendwo ein Rechenschieber auf oder in Ihrem Schreibtisch?"

"Aehm >klapper< ja, aber..."

Aha. Haben wir's schon. Sie haben eine statische Aufladung auf Ihrer Festplatte, verursacht von den wechselnden elektrostatischen Feldern, die der Rechenschieber erzeugt - Sie wissen schon: so, wie er kleine Papierfitzel anzieht, wenn sie ihn an Ihrem Pullover reiben..."

<DUMMY MODE ON>

"Oh. Was kann man da machen?"

"Sie wissen doch, wie Sie solche laestigen Papierfiezel von Ihrem Rechenschieber weg bekommen? Genau, Sie schlagen damit auf die Tischkante, bis die elektrischen Felder sich im Erdmagnetfeld aufloesen. Machen Sie das gleiche mit Ihrem PC. Sagen wir, zwanzig mal - heben Sie ihn etwa dreissig Zentimeter ueber den Tisch und lassen ihn fallen."

"Ah, gut. Bleiben Sie kurz dran?"

"Sicher." Das wuerde ich nicht mal fuer die Simpsons verpassen!

>polter< >polter< >polter<>klirr<

"Aeh, hallo? Der Schirm ist ploetzlich dunkel geworden..."

"Das ist ganz normal, das macht er immer; soll er sogar. Machen Sie weiter. Und wenn Sie mit dem PC fertig sind, machen Sie sicherheitshalber das Gleiche auch noch mit dem Schirm. Manchmal breitet sich die Aufladung ueber die Kabel bis in den Schirm aus."

>polter< >polter< >polter<>schepper<

.. Ich lege auf.

Spaeter gehe ich raus in den oeffentlichen CIP-Pool und traeufle unauffaellig Honig in die Schlitze der Floppy Laufwerke, als ploetzlich ein Typ auftaucht, der verdammt wie Lee Harvey Oswald aussieht, und mich ueber den Haufen schiesst.

Aber der Knall kommt aus dem Maschinenraum, und waehrend ich an einer blutbesudelten IBM Maschine zusammensacke, hoere ich den Ex-System-Manger im Hintergrund kichern...

Noch spaeter, im Krankenwagen, wird mir klar, dass ich von dem Typen nicht mal die Userkennung habe... Dann wird alles dunkel.
 
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