Bastard Operator from Hell (Teil#12)

Ich komme zur Arbeit, aber ich bin nicht ausgeschlafen.

Also klemme ich ein Stueck Kupferschiene ueber die drei Phasen der Hauptversorgung und werfe den Hebel herum.

Als die Hauptsicherungen herauspfeifen, wird es dunkel, und endlich mal wird es still im Rechnerraum. Es gefaellt mir.

Ich schnippe den Hoerer von der Gabel und schliesse die Vorhaenge vor dem Beobachtungsfenster. Jetzt ist es WIRKLICH dunkel hier drin. Wuerde mich nicht wundern, wenn jemand einen Unfall haette...

Ich taste mich in der Dunkelheit zum Eingang und entferne ein paar der Bodenplatten, die die tiefen Kabelschaechte unter dem Rechnerraum abdecken. Dann rufe ich unsere Service-Firma an und sage, dass der Mini wieder mal die Hauptsicherung geschossen hat. Dann ersetzte ich die geschossenen Sicherungen durch ein paar Naegel und schliesse die Versorgungsleitungen gegen Masse kurz. Auf so was kann man nicht hoffen, man muss es MACHEN!

15 Minuten spaeter erscheint der Techniker und fliegt in den Kabelschacht. Ich schiebe die Bodenplatten zurueck an ihren Platz, als der System-Manager - ein neuer, schrecklich gruendlicher Typ - hereinkommt und mir sagt, ich solle mich vorsehen. In dieser Dunkelheit koenne jemand leicht einen Unfall haben...

Ich nicke und sage ihm, dass wir uns diese Ausfallzeiten eigentlich nicht leisten koennen und ob ich nicht einfach die Hauptsicherungen wieder einschalten soll, in der Hoffnung, dass nicht Ernsthaftes passiert sei. Nach einiger Meditation ueber die Negativ-Schlagzeilen, die wir mit jeder verstreichenden Minute anhaeufen, macht er die letzte Entscheidung seiner steilen, aber kurzen Karriere: Er sagt, ich soll's versuchen. Spaeter, nachdem sich der Rauch etwas gelichtet hat, untersuche ich die brutzelnden Reste unseres Minis. Kein sehr schoener Anblick...

"Komisch, dass die Hauptsicherungen geklemmt haben, nicht?" sage ich zum System-Manager, waehrend er seine persoenlichen Sachen einsammelt.

"Eine Chance von 1 zu einer Million. Zu dumm, dass Sie jemand beobachtet und die ganze Geschichte nach comp.misc geposted hat. Nach all der schlechten Presse koennen Sie froh sein, wenn Sie einen Job finden, in dem Sie einen Taschenrechner managen duerfen..."

Ich geh' zurueck in den Kontrollraum und schalte die restlichen Sicherungen wieder ein. Der Rechnerraum belebt sich wieder. An der Konsole steht: 'D.Usbotmbuhpo!G/Tdif-1-m!2::6' - ein letzter Gruss des verschollenen Technikers aus der Hoelle!

Ich logge ein und beginne, User-Email zu loeschen. Dabei entdecke ich einen interessanten sexuellen Antrag unseres Consultants an ein maennliches Mitglied der Schwimm-Mannschaft. Das gibt ein hervorragendes motd ('motive of the day'); deshalb kopiere ich es dorthin.

Dann aendere ich den root Account nach 'Winker' und das Passwort nach 'ljkadlkajflkj'.

Dem grossen Haeuptling sage ich am Telefon, dass ich einen Einbruch vermute. Bis wir das genauer untersucht haben (ein paar Stunden wird's schon brauchen), bleiben die anderen Accounts gesperrt. Die Leute werden in der Zwischenzeit die motd lesen... Zumindest einer hat's schon gelesen, denke ich, als wir einen Schuss aus dem Buero des Consultants hoeren. Inzwischen editiere ich die Online-Hilfe und aendere die Nummer der Hotline - der System Manager wird sich ueber all die extra Anrufe freuen; besonders in so einer traurigen Zeit....

Ein zweiter Schuss, und mir wird klar, dass er heute wohl keine Anrufe mehr annehmen wird. Ich blaettere den Ausredenkalender um und lege den Hoerer auf die Gabel.

"PROBLEME BEI DER STROMVERSORGUNG". zu realistisch.

"STATISCHE AUFLADUNGEN".

Immer noch ein wenig zu realistisch fuer meinen Geschmack, aber ich lasse es gelten. Immerhin soll der Kalender noch bis zum Jahresende reichen. Das Telefon klingelt, gerade als ich ich 'Top Gun' in der Maschine habe. Ich pausiere das Video und klemm' mir den Hoerer unter's Kinn.

"Ich fuerchte, ich habe eine schlechte Floppy Disk gekauft."

"Tatsaechlich?"

Bin ich jetzt bei der Stiftung Warentest, oder was?

"Naja, ich hab' da diese Disk und sie laesst sich nich' formatieren. Aber alle anderen in der Schachtel gingen. Also muss ich wohl eine schlechte erwischt haben..."

"Darf ich fragen, warum Sie deshalb bei MIR anrufen?"

"Naja, auf der Schachtel steht was von Garantie; wo kann ich einen Ersatz bekommen?"

Ah! Alles klar!

"Schaun' wir mal. Sind Sie ganz sicher, dass es an der Disk liegt, und nicht irgendwie mit statischer Aufladung zu tun hat?"

"Haeh?"

"Statische Aufladung, Sie wissen schon, statische Elektrizitaet, die Sie mit ihren Fingern auf das Geraet uebertragen."

"Aber ich trage ein geerdetes Armband!"

Spaetestens jetzt weiss ich, wo ich bin: im tiefen Tal der Super-Deppen. Geerdete Armbaender gehoeren in unseren Kreisen nicht gerade zum Mode-Accessoire...

"Natuerlich, aber die Standard-Armbaender, wie Sie eins tragen, haben einen 1 Megaohm Widerstand in Reihe geschaltet; eine ziemlich schlechte Erdung also. Was Sie brauchen, ist eine direkte Erdverbindung. Am besten fassen Sie mit einer Hand an ein Gehaeuse, das richtig geerdet ist."

"Aeh, zum Beispiel unseren Stahl-Labortisch?"

"Hervorragend. Jetzt, haben Sie etwas, um die Aufladung abzuleiten? Zum Beispiel eine Bueroklammer?"

"Moment...ja."

"Gut. Dann stecken Sie jetzt mit der ANDEREN Hand die Bueroklammer durch die Ventilationsschlitze auf der Rueckseite. Beruehren Sie einfach kurz das Ende des dicken roten Kabels. Dabei aber NICHT den Tisch loslassen. Sie muessen immer gut geerdet bleiben..."

>raschel< >hantier<

"Meinen Sie das Kabel, das zum Netzteil fuehrt?"

"Genau, halten Sie da drauf."

"...Aber ist das nicht... >kzzzzzt< >polter<"

Und wieder ein Anruf erfolgreich beendet. Ich nehme den Briefoeffner und schneide eine weitere Kerbe in das dicke gelbe Ethernetkabel, das dekorativ hinter dem HELPDESK FROM HELL vorbeifuehrt.
 
zum nächsten Bastard Operator from Hell