Bastard Operator from Hell (Teil#15)

Es ist ein warmer Nachmittag im Computer Raum. Weiss nicht, vielleicht sollte ich die Lüfer wieder einschalten, aber zum Teufel, ich habe eine Erkältung und muß mich warm halten.

Ich blättere den Ausredenkalender um. Magnetische Interferenzen durch Kreditkarten. Hmmm, vage genug um, plausibel zu sein. Das Telefon kingelt.

"Hallo, Computer Raum" sage ich

"Hi!" sprichts am anderen Ende

"ich will ein paar RAM in meinen Computer einbauen um den Speicher zu erhöhen. Ich habe gerade einige 8 meg Chips von einem Typen in der Stadt gekauft und wollte wissen, ob ihr die einbauen würdet."

"Also," sage ich "normalerweise würden wir das tun, aber heute sind die Techniker alle damit beschäftigt unseren Backup-Tape-Safe aufzuschweissen um nachzusehen, warum er so stinkt - Sie können die aber vielleicht auch selbst einbauen.."

"Wirklich? Ich dachte, das wäre gefährlich?" sagt sie

"Nene, kein Problem, denken sie nur daran, die Chips vorher aus diesen bescheuerten Plastiktüten zu nehmen, bevor sie dadurch völlig kaputt sind."

"Wirklich? Wie kann denn sowas passieren?"

"Also, sie haben doch schon mal von statischem RAM gehört, richtig?"

"Ja..."

"Also, warum packen sie statisches RAM in Antistatik-Tüten? Klingt ziemlich suspekt, wenn sie mich fragen!!! Ihre könnten bereits kaputt sein, also nehmen sie sie besser raus.."

>Dummy Mode ON<

"Oh"

>raschel knister<

"Ok, sie müssen jetzt die Ladung loswerden, die die Tüten ihren RAMs womöglich gegeben haben, denn sie wollen ja schliesslich nicht ihren Computer hochjagen, oder? Ziehen sie alles Wollene aus, das sie tragen und nehmen sie Nylon. Laufen sie ein wenig auf einem billigen Teppich, dann kämmen sie ihre Haare ein paar Dutzend male und stecken die Chips auf dem Kamm, um sie so bereit zu halten. Schalten sie ihren Rechner an, dann stecken sie den Speicher ungefähr 10 mal rein und wieder raus, um die Slots aufzuwärmen. Dann stecken sie sie wieder rein und betätigen den Power-Schalter ein halbes Dutzend mal, dann sollte es funktionieren!"

"Hey, danke!"

"Nicht der Rede wert, alles ein Teil des Services"

Ich gehe zum Mittagessen - immerhin war ich 10 Minuten am Stück hier - und gehe an den Studentenlabors vorbei. Ich höre Gepiepse, sehe mich um und entdecke einen UserScreen voll mit Müll. Entweder haben sie einen Image File getippt oder in meinem Account rumgefingert und den Core File gefunden, den ich in .plan umbenannt hatte. Wenn er sein Terminal wieder aussortiert hat, wird seine ihm zugewiesene Connect Zeit komplett aufgebraucht sein. Eine Schande...

Ein paar Stunden später komme ich früh vom Mittagessen zurück und gehe ins Usenet News Directory, runter zu alt.binaries.picture.erotica und beginne damit, die Teile 3 und 4 der wirklich langen GIFs zu löschen (nachdem ich mir selbst Kopien gemacht und sie über die letzten User Backups geschrieben habe, versteht sich).

Dann bereite ich mich darauf vor, die Videos zu gucken, die ich mir aus der Videothek besorgt habe, indem ich die Drucker offline schalte und das Telefon herausziehe. Dann bemerke ich, dass der Frame Grabber Video Player aus meinem Büro verschwunden ist. Irgendjemand hat ihn offensichtlich entwendet während ich weg war...

Ich stelle einige diskrete Nachforschungen unter Androhung von rm -r an und finde heraus, dass die Sekretärin ihn nun in Besitz hat. Also schlendere ich herunter, um ihn wieder mitzunehmen. Nur kann ich das nicht, weil ich in *DEM BUCH* eintragen soll, wann er zurück sein wird, wieviel Minuten Band ich hindurch jagen will, ob ich PAL oder NTSC schauen will usw. Dann wird alles in ihren *persönlichen* Computer eingegeben (zu dem ich keinen Zugriff habe, weil er nicht der Firma gehört), damit sie Vollfarb-Statsitiken erstellen kann, wer in der Abteilung nicht arbeitet...

Ich bemerke, dass er nicht zurückkommen wird - als derjenige, der den Hammer durch den Frame Grabber gekloppt hat, sollte ich auch den Video Player haben. Sie sagt mir, das wäre nicht akzeptabel, und dass ich mir einen anderen Player suchen müsse, sie bräuche 24 Stunden am Tag Zugang zum Player, für den Fall, dass ihn jemand braucht.

Und weil sie ihren PC nachts mit nach Hause nimmt, bräuche ich gar nicht denken, dass ich die Ausleih-Aufzeichnungen fälschen könne.

Ich sehe das alles, wie es ist - ein schwach getarnter Versuch der Bastard Secretary from Hell Zugang zum Sessel der Macht (den Operator Raum) zu bekommen.

Ich beschliesse sie erstmal gewähren zu lassen, immerhin bekommt sie die Post in etwa 20% der Fälle in die richtigen Zustellungsfächer, also kann das nicht allzu schlecht sein.

Am nächsten morgen komme ich so gegen 14. Uhr herein und sehe, dass ich drei Abteilungsmemos über den Status anderer Geräte im Computer Raum bekommen habe, die "inkorrekt als reparaturbedürftig inventorisiert" worden seien (der Scheiss-Techniker hat geheime Informationen durchsickern lassen, um sich mit der Sekretärin gut zu stellen - eine Schande, eigentlich mochte ich ihn.), mit einer Notiz vom Big Boss, der die Sekretärin authorisert, Untersuchungen durchzuführen.

And all das ist eine Notiz von der Sekretärin selbst geheftet, die besagt, um dies zu tun benötge sie einen 24 Stunden Zugangs-Schlüssel zum Computer Raum.

EINMAL MEHR realisiere ich, dass es sich nicht auszahlt, die Zügel schleifen zu lassen.

Ich schlage die Port Nummern von RS232-, Ethernet-, Appletalk- und Telefonverbindungen der Sekretärin nach und ziehe sie aus der Comm-Verbindung.

Was solls, wo ich gerade dabei bin haue ich die Sicherungen für Steckdosen und Licht in ihrem Büro auch noch raus. Dann nehme ich mir ein Main Kabel und schliesse es an...

Das Telefon klingelr ein paar Minuten später.

"Was ist mit meinem Raum passiert?!" kreischt mich die Sekretärin an.

"Mit ihrem Raum?" sage ich nett und unschuldig und benutze die Caller ID um herauszubekommen in welchem Raum sie sich gerade befindet. Ah! Nur den Korridor herunter.

"Ja, mit MEINEM RAUM! Der Strom ist ausgegangen und alles ist tot"

"Meine Güte. Was haben sie getan, als der Strom ausging. Vielleicht haben sie irgend etwas dummes getan?"

"Nein, habe ich NICHT! Ich arbeitete gerade an *meinem* PC!"

Die Art, wie sie "meinem" sagt, regt mich wirklich auf.

"Sie haben an *ihrem* PC gearbeitet?" reflektiere ich.

"Ja.." knirscht sie

"nicht ihrem *eigenen* *sehr persönlichen* Computer?"

"Ja.." Sie weiss noch nicht, worauf ich hinaus will.

Und nun wende ich das Grundgesetz fürs Bastard Operating an, das grob aussagt, dass Bastard Operator nicht nur gewinnen. Jeder kann gewinnen.

Bastard Operator gewinnen und DEMORALISIEREN total. Das ist *richtiges* Gewinnen.

"Ich hoffe, sie haben ihren Rechner abgeschaltet, bevor sie angerufen haben"

"Warum?" bellt sie, etwas unsicher.

"Nun, es ist nur so, dass Privateigentum nicht von der Arbeitsplatzversicherung abgedeckt wird. Also, wenn es eine überlastung gegeben hat, weiss Gott, WAS mit einem teurem Stück delikater *persönlicher* Technik passieren könnte, wie ihrem..."

Ich höre, wie sie den Hörer *sehr* leise bei Seite legt und sprinte auf Zehenspitzen zur Tür. Als ich ihre Sicherungen immer wieder ein und ausschalte, beginne ich darüber nachzudenken, was ich heut Nachmittag auf Video gucken werde... Immer noch am Telefon höre ich einen Knall im Hintergrund der wom"glich bedeutet, dass ihr PC sich verabschiedet hat...

10 Minuten später das Telefon im Control Raum.

Es ist die Sekretärin und sie klingt ein wenig gestresst. Ich schaffe es, ihre sporadischen Wutausbrüche in eine Bitte zu übersetzen, dass ihre Leitungen an ihr Terminal angeschlossen werden möchten.

Ich erzähle ihr, sie seien, und sie habe den Techniker der nachsehen könne. Sie legt auf.

Keinen Sinn für Humor.

10 Minuten später ruft der Techniker an und sagt mir, alle Leitungen der Sekretärin seien tot. Ich sage ihm, dass ich nachsehen werde und schliesse Ethernet, Telefon und Appletalk wieder an. Bleibt RS232...

Weitere 10 Minuten später werde vom Telefon bei meinem Nickerchen gestört. Es ist der Techniker, der sich immer noch bei der Sekretärin einschleimt, indem er supereffizient ist. Er sagt mir, der RS232 funktioniere immer noch nicht. Ich erzähle ihm etwas von kalten Lötstellen im Stecker und bitte ihn, einen neuen Stecker auf das Kabel zu machen. Ich höre das >schnipp! kurz vor dem ">ERRRRRREEEERRKKK! Ein weiteres Problem gelöst vom Bastard Operator from Hell

Es ist ein dreckiger, schmieriger, stinkender Jeder-gegen-jeden Job, aber irgend jemand muss ihn geniessen

[wundert sich jetzt jemand, was passiert ist? In Zeile 116/117 (Header nicht mitgerechnet) hat Simon irgendwo ein Main Kabel angeschlossen... :)]